Closing Night Gala und Preisträger

DAY 5 45

Mit dem 27. Internationalen Filmfest Oldenburg geht eine ganz besondere Festival-Ausgabe mit vielen Herausforderungen und unvergesslichen Momenten zu Ende. Im Rahmen der Closing Night Gala wurden heute Abend die Preisträger gekürt.

 

Die 27. Ausgabe des Internationalen Filmfest Oldenburg war geprägt von Premieren – und damit sind nicht nur die außergewöhnlich vielen Weltpremieren von Filmen rund um den Globus gemeint, die es in diesem Jahr in den Oldenburger Lichtspielhäusern und in den virtuellen Filmfest-Kinos zu sehen gab. Die gesamte Durchführung eines international aufgestellten Filmfestivals in Zeiten einer Pandemie war an sich eine große Premiere, mit allen Herausforderungen und Unwegbarkeiten, die damit einhergehen. Die Situation erforderte kreative Lösungen und ein hohes Maß an Flexibilität von allen Beteiligten. Unter diesen Umständen überhaupt ein Festival veranstaltet zu haben, ist an sich bereits ein großer Erfolg. Dies unter Einhaltung aller Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen und in Anwesenheit internationaler Filmschaffender zu tun, ist eine kleine Sensation. Insbesondere die unkonventionelle Idee der Living Room Galas, stieß dabei auf jede Menge Gegenliebe.

Anders als gewohnt sah bereits die Eröffnungsgala am Mittwoch, den 16. September, im //CRASH Building aus. Der Firmensitz der Softwareunternehmen Ashampoo und CleverReach bot hervorragende Voraussetzungen für ein feierliches und dennoch Corona-konformes
Opening. Über den roten Teppich, an dem Medienvertreter feste Plätze zugewiesen bekamen, flanierten anlässlich der Weltpremiere von »Puppy Love« neben Regisseur Michael Maxxis auch die Hauptdarsteller Hopper Penn und Paz de la Huerta sowie Okuda San Miguel. Der weltbekannte Street Artist hatte pünktlich zur Eröffnung in Form eines großformatigen Wandgemäldes für ein neues Wahrzeichen im Oldenburger Stadtbild gesorgt und so die enge Verbindung von Stadt und Filmfest verewigt.

Weltweit und real
Um die Eröffnungs-Gala und das gesamte Festival so sicher wie möglich veranstalten zu können, wurden alle Teammitglieder und sämtliche Gäste im Vorfeld auf das Coronavirus getestet. Alle Testergebnisse waren negativ. Mit der Durchführung des Festivals unter hochkomplexen Bedingungen haben die Veranstalter ein deutliches Zeichen gesetzt für die verbindende Kraft der Filmkunst und insbesondere für den Kulturort Kino. Die Anreise von Festivalgästen aus neun Ländern war ein Kraftakt, ebenso wie die parallele Organisation eines virtuellen und eines analogen Festivals. Zahlreiche Filmschaffende standen in Form von insgesamt 15 virtuellen Q&As Rede und Antwort, wovon drei voraufgezeichnet wurden und zwölf per Live-Schalte stattfanden. So war kultureller Austausch auch in Zeiten von social distancing möglich. Die Gespräche fanden jeweils im Anschluss an die digitalen Screenings statt, die weltweit zu sehen waren – immer mit festen Startzeiten, um das kollektive Filmerleben zu fördern. Von dem umfassenden digitalen Angebot machten insgesamt Filmfans aus 114 verschiedenen Ländern Gebrauch.

Wohnzimmer-Galas
Am Dienstag, den 17. September, stand dann die erste Wohnzimmer-Gala auf dem Programm. In einem Oldenburger Wohnzimmer konnte ein glückliches Oldenburger Paar gemeinsam mit zwei Freunden als Gastgeber das Filmteam von »Full of Fire« – unter anderem Regisseur Dennis Stormer und Hauptdarstellerin Moa Nilsson – begrüßen. Die deutsch-schwedische Koproduktion feierte in diesem ungewöhnlichen Rahmen ihre
Weltpremiere und machte diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten. An den beiden Folgetagen feierten außerdem der US-amerikanische Film »Buck Alamo« von Ben Epstein sowie Nicolai Rohdes »Borowski und der Schatten des Mondes« ihre jeweilige Weltpremiere im Rahmen der Living Room Galas. Auch wenn alle Beteiligten auf eine Rückkehr zur Normalität im kommenden Jahr hoffen, sind die Wohnzimmer-Galas ein Format, das auch in Zukunft für Begeisterung sorgen kann.

Highlights und Retrospektive
Zu den Festival-Highlights gehörte auch die Weltpremiere des argentinischen Films »The Longest Night«. Regisseur Moroco Colman und Hauptdarsteller Daniel Aráoz stellten diese Weltpremiere persönlich dem Oldenburger Publikum vor. Außerdem empfing das Filmfest hohen Besuch aus den USA – zumindest virtuell. Am Freitag, den 18. September war Starregisseur William Friedkin für ein exklusives einstündiges Live-Gespräch nach Oldenburg zugeschaltet und gab im Gespräch mit Filmjournalist Scott Roxborough (The Hollywood Reporter) und Festivalchef Torsten Neumann spannende Einblicke in seine lange und einmalige Karriere. Anlass hierfür war die Retrospektive, mit der Friedkin für seine großen Verdienste um das Kino, wie wir es kennen, ausgezeichnet wurde und in deren Rahmen eine Werkschau ausgewählter Filme gezeigt wurde.

Preise
Startschuss beachtenswerter Karrieren waren in der Vergangenheit wiederum nicht selten Auszeichnungen auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg. Die Kurzfilmjury, bestehend aus dem Fotografen Tim Bruening, der Schauspielerin Patrycja Płanik und dem Regisseur Andreas
Horvath, vergab den German Independence Award für den besten Kurzfilm an den russischen Beitrag »The Coat« von Igor Nevedrov. Ihre Entscheidung begründete die Jury wie folgt: »Die kreative Herangehensweise an die Sprache der Kinematografie und die Erzählweise voller
Brüche machen diesen Film zu einem zeitgemäßen Märchen.« Eine lobende Erwähnung erhielt David G. Morgans »Whisky Charly«. Dieser sei »ein wahrhaft visionärer Film, der sieht, ohne zu zeigen«, so die Jury.

Der Publikumspreis, für den die Festival-Zuschauer sowohl nach den analogen als auch nach den digitalen Screenings abstimmen konnten, geht 2020 an »Miracle Fishing« von Miles Hargrove. Den German Independence Award – Spirit of Cinema erhielt der Eröffnungsfilm »Puppy Love« von Michael Maxxis.

Mit dem Seymour Cassel Award für die beste darstellerische Leistung wurden in diesem Jahr Paz de la Huerta für ihre Hauptrolle in »Puppy Love« sowie Daniel Aráoz, Hauptdarsteller von »The Longest Night«, ausgezeichnet.

Die Jurybegründung lobte Paz de la Huertas »furchtlose und transformatorische Darbietung. Sie erhebt ihre Stimme für alle, die zum Schweigen gebracht wurden und fordert uns heraus, unsere Sichtweise zu überdenken. Sie erinnert uns daran, dass auch Diamanten in der Gosse versteckt sind. Sie ist eine wahre Künstlerin. Und ein Juwel.«

Über Daniel Aráoz beängstigend intensive Darstellung eines Vergewaltigers sagte die Jury: »Wir haben das Grauen miterlebt. Wir wurden zu Begleitern eines Monsters. Das Risiko einzugehen, auf der Leinwand so verachtet zu werden, erfordert außergewöhnlichen Mut.«

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